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Pressespiegel

Stuttgarter Nachrichten 05.03.2003

Gelenkknorpelschäden schonend beheben

Neue Operationstechniken: Durch Einpflanzen körpereigener Knorpelzellen werden Abstoßungsreaktionen vermieden

Was eint den Fußballprofi und den Fliesenleger? Nicht das Gehalt, sondern die tätigkeitsbedingte, besondere Belastung in den Gelenken. So war es für viele Menschen, vor allem für Sportler, ein trauriges Schicksal, dass bei ihnen bereits in jungen Jahren die Knorpelflächen der Gelenke in Sprunggelenk, Knie und Hüfte so stark geschädigt waren, dass nur noch eine Implantation eines künstlichen Gelenkes wieder zur vollen Beweglichkeit verhalf. Damit konnte der Patient zwar schmerzfrei seinen Alltag gestalten, die Sportkarriere aber war zu Ende. Doch nicht nur Leistungs- und Freizeitsportler trifft der schmerzhafte Knorpelschaden. Auch alltägliche Verletzungen wie Kniescheibenverrenkungen, dauernde erhebliche Belastungen oder starkes Übergewicht können im Laufe der Jahre zu Knorpelschäden (Arthrose) führen. Festgestellt wird die Schwere der Gelenkschädigung meist im Rahmen einer Arthroskopie (Gelenkspiegelung), bei der durch eine kleine Öffnung das Gelenk inspiziert wird.

Neue Operationstechniken und die stetig fortschreitende Entwicklung im Bereich der Biomedizin scheinen im Bereich der Knorpelschäden jetzt für ein Umdenken - weg von der Gelenkimplantation - zu sorgen. Denn meist ist das Knorpelgewebe an den Gelenkseitenflächen kaum oder wenigstens nicht so stark beansprucht wie die Knorpelschicht direkt an den gegenüberliegenden Gelenkflächen. Bisher wurde bereits die so genannte Mosaiktechnik bei Knorpelschäden angewandt. Hier wird aus den intakten, nicht belasteten Gelenkknorpelarealen mittels einer zylindrischen Bohrung gesunder Knorpel entnommen und dieser direkt in das schadhafte Gebiet verpflanzt.

Jetzt gibt es die Möglichkeit, ebenfalls aus dem gesunden Knorpelgewebe Zellen zu entnehmen und diese im Labor zu vermehren. "Weil wir hier mit körpereigenem Material arbeiten, haben wir keine Abstoßungsreaktionen, wenn wir den Knorpel in die schadhaften Areale wieder einpflanzen", so der Stuttgarter Facharzt für Orthopädie und Sportmedizin, Jürgen Beyer. Das Vermehren der Knorpelzellen im Labor dauert etwa drei Wochen. Bereits eine Woche nach der Einpflanzung kann der Operierte die Klinik verlassen - noch auf Gehstützen angewiesen. Nach weiteren drei Monaten ist das Gelenk wieder voll belastbar, nach etwa einem Jahr hat der transplantierte Knorpel seine volle Festigkeit erreicht. Dann erinnert nur noch eine fünf bis zehn Zentimeter lange Narbe an den Knorpelschaden.

Auch eine weitere neue Technik, die in Deutschland nur von ganz wenigen Operateuren durchgeführt wird, verspricht Erfolge im Kampf gegen die Arthrose: Die so genannte Bioprothese erwies sich bisher als "höchst interessant" (Beyer). Hier wird der blanke, nicht mehr mit Gelenkknorpel überzogene Knochen mit einer speziellen Hochgeschwindigkeitsfräse angeschliffen. Und dies so tief, dass Stammzellen aus dem Knochen ausgeschwemmt werden. Diesen Stammzellen ist es möglich, unter einer entstehenden Blutplombe binnen einer zwei bis drei Monate langen Entlastungszeit neuen Gelenkknorpel zu bilden.

Natürlich hat aber auch die klassische Gelenkprothese weiterhin ihre medizinische Indikation. Weshalb Medizintechniker und Forscher viel Zeit und Mühe darauf verwenden, diese Prothesen immer weiter zu verbessern. Eine neue Generation von Oberflächenprothesen aus einem Keramik-Zirconium-Gemisch soll dafür sorgen, dass der Abrieb, der in herkömmlichen Prothesen entsteht, laut Hersteller um rund 85 Prozent reduziert wird. Somit sollen die Haltbarkeit und die Standfestigkeit dieser Prothese deutlich verlängert werden. "Mit dieser Technik, die wir als eines der ersten Zentren in Europa anbieten, wird in vielen Fällen der Prothesenwechsel entfallen", so Jürgen Beyer, der die Operation mit der neuen Prothesengeneration bereits viele Male an der Apolloklinik in Stuttgart durchgeführt hat.

Egal mit welcher Technik dem Patienten mit Knorpelschaden letztendlich geholfen wird, wichtig ist, dass Betroffene mit Gelenkproblemen frühzeitig einen Fachmann aufsuchen. "Je früher man mit der Behandlung anfängt, desto geringer ist der Therapeutische Aufwand, und umso schneller ist der Patient wieder schmerzfrei", rät Jürgen Beyer.

Peter-Michael Petsch

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