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PressespiegelStuttgarter Nachrichten, 17.11.2004 Zur Gelenkprothese gibt es Alternativen Es beginnt oft ziemlich plötzlich. "Ich habe es im Urlaub bemerkt, von einem auf den anderen Tag bekam ich Schmerzen in der Hüfte, ich konnte nicht mehr weit laufen, und bestimmte Bewegungen waren auf einmal schmerzhaft" - so beginnt typischerweise eine mehr oder minder lange Leidensgeschichte, an deren Ende in vielen Fällen wegen nicht behandelter oder nicht erkannter Hüftdysplasie (Hüftfehlstellung) der Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks (totale Endoprothese TEP) steht. In diesen Fällen kommt es infolge der Fehlstellung zu einem Knorpeldefekt - meist Hüftknorpelnekrosen - im größten Kugelgelenk des menschlichen Körpers. In anderen Fällen ist es - ein Sturz oder Unfall, bei dem der Schenkelhals bricht, der eine Hüftprothese notwendig macht. Beinahe 200 000-Mal jährlich wird in Deutschland derzeit eine künstliche Hüfte eingesetzt. Dies macht die Operation zu einem der häufigsten Eingriffe überhaupt. "Doch eine neue Hüfte hält leider auch nicht ewig", so Dr. Jürgen Beyer, Orthopäde und Ärztlicher Leiter der Stuttgarter Apollo-Klinik, kürzlich bei einem Vortrag in Stuttgart. Täglich müssten rund 30 implantierte Hüftprothesen wieder ausgebaut und ersetzt werden, Tendenz steigend. Da die Haltbarkeit der Hüftprothesen auf zehn bis fünfzehn Jahre begrenzt ist, die Patienten immer jünger werden und man TEPs nicht unbegrenzt oft tauschen kann, suchen Fachleute schon lange nach Möglichkeiten, die Implantation der Hüftprothese möglichst lange hinauszuschieben oder sogar ganz zu verhindern. Für Patienten mit Hüftkopfnekrosen gibt es ermutigende Entwicklungen. "Wir haben bereits über 50 Patienten mit dieser Diagnose mit einer autologen Knorpeltransplantation, der so genannten Mosaikplastik, erfolgreich therapieren können", berichtet Orthopäde Beyer. "Wir sind eines der wenigen Zentren in Europa, die so den Patienten in gewissen Fällen eine Hüftprothese ersparen können", berichtet Jürgen Beyer. Ziel dieser Methode, die bei Kniearthrosen bereits seit längerem zur Standardtherapie gehört, ist es Knochenstanzzylinder aus einem unbelasteten Bereich in die schadhaften Areale zu verpflanzen. In diesem Fall aus dem Kniegelenk in den Hüftkopf. So wird in der Hüfte aus körpereigenem (hyalinem) Gelenkknorpel wieder eine arthrosefreie Gelenkfläche erzeugt. Diese Technik eignet sich aber nur bei kleineren, begrenzten Defekten. Eine andere neue Technik könnte zu einem Meilenstein in der Behandlung größerer Defekte im Hüftgelenk werden. Hier wird anstelle der üblichen Behandlung durch ein geschraubtes oder einzementiertes künstliches Hüftgelenk, eine Oberflächenersatz-Hüftendoprothese implantiert. "Bei der Verwendung der neuen Oberflächenersatz-Prothese wird nur der erkrankte oder zerstörte Gelenkknorpel ersetzt. Der gesunde Hüftkopf bleibt ebenso erhalten wie der umgebende Knochen des Oberschenkels, der nicht mehr ausgehöhlt werden muss", so Dr. Beyer. Dies hat neben dem wesentlich geringeren Trauma für den Patienten auch noch weitere Vorteile wie eine längere Haltbarkeit des Implantates oder das Verhindern von Beinlängenveränderungen, wie sie bei normalen TEPs entstehen können. "Wir sind zuversichtlich, dass diese Technik die bereits über 1000-mal in England erfolgreich angewandt wurde, auch hier vielen Hüftpatienten hilft", so der Orthopäde. Ein weiterer Ansatz ist die Verwendung innovativer Materialien, die länger halten und somit einen Prothesentausch hinauszögern oder sogar unnötig machen. Noch besser als jede operative Versorgung eines Gelenkschadens ist natürlich die Vorsorge. Gelenke sollten vor allem richtig bewegt werden - deshalb ist regelmäßige sportliche Betätigung mit passendem Schuhwerk wichtig. Ebenso sollten Knochen- und Gelenkfehlstellungen bereits in frühem Kindesalter diagnostiziert und behandelt werden. Peter-Michael Petsch |
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