![]() |
|
PressespiegelStuttgarter Nachrichten, 02/2006 Metallkrone kann Hüftprothese ersparen McMinn-Oberflächenersatz als knochenschonende Alternative bei Coxarthrose – Hüftkopf bleibt erhalten Jürgen Dreher schwitzt im Fitnessstudio, auf dem Laufband und am Crosstrainer fühlt sich der 40-Jährige wohl. Diese Art Ausgleichssport betreiben viele Menschen, doch wenn man bedenkt, dass Dreher vor wenigen Monaten nicht einmal schmerzfrei eine Treppe hinauf- oder hinuntergehen konnte, ist das, was der Betriebswirt jetzt wieder mit Begeisterung macht, schon bemerkenswert. Unerträgliche Schmerzen im rechten Hüftgelenk waren es, die Dreher sein bisher sportliches Leben zur Qual machten. „Ich habe alles probiert, von Bandagen über Salben, Tabletten, Eispackungen – was das Internet zum Thema Hüftschmerzen bereithielt, ich habe es versucht“, erinnert sich Dreher. Parallel dazu begann für den Angestellten ein Ärztemarathon, bis die Diagnose feststand: Coxarthrose, die Schädigung des Gelenkknorpels am Oberschenkelhals. „Mir wurde schnell klar, wie meine Chancen stehen: ein Leben mit einer Hüftprothese und mich sportlich stark einschränken oder ein Leben mit Schmerzen führen. Beides keine verlockenden Aussichten“, beschreibt Dreher sein Dilemma. „Da erzählte mir ein Bekannter von einer neuen Technik in der Hüftprothetik, einem Gelenkersatz aus England, der den Hüftkopf erhält und somit keine Totalprothese ist, die ambitioniertes Sporttreiben unmöglicht macht“, schildert der Freizeitsportler seine Suche. Eine Suche, die ihn schließlich zum Stuttgarter Orthopäden Dr. Jürgen Beyer führte. Ihm und der neuen Technik verdankt es Dreher, dass er heute wieder auf dem Laufband joggen kann. „Unser Hüftoberflächenersatz ist die knochenschonende Alternative zu einer konventionellen Versorgung eines Hüftleidens“ erläutert Orthopäde Jürgen Beyer das Verfahren, bei der die defekte Oberfläche des Hüftgelenkes durch aus zwei Gleitschalen bestehende Implantate ersetzt wird. Das Besondere daran ist, dass die individuelle Gelenkanatomie des Oberschenkelhalses, dem oberen Teil des Oberschenkelknochens, erhalten bleibt. Dieser wird nicht wie bei einer Hüftprothese abgesägt und ein Metallschaft in den Markraum des Oberschenkelknochens eingebracht, sondern nur wenige Millimeter der Knochenoberfläche werden entfernt. „Im Prinzip ist es so, als ob man einen Zahn überkront“, vergleicht Beyer die schenkelhalserhaltende Operation. In die Gelenkpfanne der Hüfte wird ebenfalls eine dünne Metallschale eingefügt, so dass Hüftkopf und Gelenkpfanne wieder optimal aufeinander abgestimmt bewegt werden können. „Ich wurde am 2. November 2006 operiert und bin seit diesem Tag praktisch schmerzfrei. Bereits nach 14 Tagen habe ich die Klinik, zwar auf Krücken, aber auf eigenen Beinen verlassen und konnte mein Bein wieder voll belasten. Es ist einfach unglaublich“, erinnert sich Jürgen Dreher. Doch ganz so unglaublich ist es nicht, immerhin ist die Technik seit Anfang der neunziger Jahre in Großbritannien bekannt und wurde seither permanent weiterentwickelt. „Probleme wie sie früher durch Abrieb zwischen den Metallteilen entstanden sind, können wir bei den jetzt verwendeten Materialien nicht mehr feststellen“, blickt Operateur Beyer zurück. Insgesamt hat der Ärztliche Leiter der Stuttgarter Apolloklinik bis heute die Erfahrung von mehr als 100 Operationen, weltweit waren es über 40 000 Eingriffe. Eine Langzeitbetrachtung wie bei herkömmlichen Hüftprothesen gibt es jedoch noch nicht. Trotzdem traut der Stuttgarter Arzt der McMinn-Endoprothese viel zu. „Mein jüngster Patient war 16 Jahre und mein ältester fast 80 Jahre“, so Beyer. Dennoch ist McMinn nicht für alle Patienten geeignet: Kontraindikatoren sind etwa massive Osteoporose, ausgeprägte Femurkopfnekrose (über 40 Prozent) und eine extreme Fehlstellung des Schenkelhalses. Die Entscheidung darüber trifft der Operateur. Sollte doch einmal ein Prothesenwechsel, etwas nach einem Schenkelhalsbruch, notwendig werden, so ist dies kein größeres Problem als bei einer herkömmlichen Hüftprothese. Dass das McMinn-Verfahren für viele Hüftpatienten eine Alternative bei der Behandlung einer Coxarthrose darstellt, beweist die Tatsache, dass immer mehr Orthopäden und Chirurgen wie Jürgen Beyer nach Berlin zu Professor Michael Faensen, einem Pionier der deutschen Hüft-Endoprothetik und Wegbereiter des McMinn-Verfahrens reisen, um sich in der neuen Technik ausbilden zu lassen.
Kappe und Schale Der McMinn-Oberflächenersatz direkt am Hüftgelenk stellt eine besonders schonende Methode beim Ersatz von Hüftgelenken dar. Im Gegensatz zum herkömmlichen Verfahren der Hüftgelenkprothese (TEP) wird beim Oberflächenersatz der Kopf des Oberschenkelknochens nicht entfernt. Er wird lediglich soweit bearbeitet, dass er mit einer Kappe aus Metall überkront werden kann. Zusätzlich wird die Hüftpfanne mit einer dünnwandigen Metallschale ausgekleidet. Es wird also nur die tatsächlich abgenutzte Gelenkknorpeloberfläche und nicht mehr wie bei der herkömmlichen Hüftprothese das komplett Gelenk ersetzt. Sehnen- und Muskelansätze bleiben in ihrer anatomisch richtigen Position, weil Kopf und Hals des Oberschenkelknochens an Ort und Stelle bleiben. Ebenso werden die Biomechanik und die an den Knochen wirkenden Kräfte nicht verändert. Der Patient behält dadurch das Gefühl für sein eigenes Gelenk. Ein zwischen den Metalloberflächen laufender Flüssigkeitsfilm minimiert den ohnehin geringen Abrieb und sichert eine hohe Verschleißfestigkeit. Kommt es doch irgendwann zu einer Lockerung, ist die Implantation einer Schaftprothese jederzeit möglich. Der Oberflächenersatz wird von allen privaten und von einigen gesetzlichen Krankenkassen erstattet. |
|
|||||