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Pressespiegelauf einen Blick, 12.02.1998: Hoffnung für Millionen Arthrose-Kranke Deutsche Wissenschaftler züchten Gelenkknorpel neu
Ein sonniger Novembertag vor 20 Jahren. Im unberührten Tiefschnee auf den Hängen des 2844 Meter hohen
Pizol, unweit von Bad Ragaz in der Schweiz, fuhr Manfred Schaich auf seinen Skiern in weiten Bögen zu Tal. Plötzlich ein zugeschneiter Wurzelstock. Ein jäher Sturz beendete die rasante Abfahrt des jungen Abiturienten. „Das rechte Knie zeigte nach oben, der Fuß nach außen“, erinnert sich der heute 39-jährige Architekt und Vater eines dreijährigen Sohnes. „Im Kantonsspital diagnostizierten die Ärzte einen Schienbeinbruch.“ Das Bein wurde eingegipst, der Knochen wuchs wieder zusammen. Und damit, so hoffte Manfred
Schaich, sei der Unfall vergessen. „Doch davon konnte keine Rede sein“, sagt er heute. „Die ganzen Jahre über litt ich unter dumpfen Schmerzen im Knie.“ Zwar fuhr er zunächst weiterhin Ski und spielte Volleyball, aber der Sport bereitete bald keine Freude mehr. Zuletzt wurden die Schmerzen so schlimm, dass er kaum noch Treppen steigen konnte und schließlich Krücken brauchte, um sich fortzubewegen. Eine Kniespiegelung brachte vor einem Jahr schließlich die Erklärung für die jahrelangen Schmerzen: Der Glas-Knorpel, der als glatter Überzug an allen Gelenkflächen vorkommt, war bei dem Skiunfall beschädigt worden, konnte sich nicht mehr regenerieren. Mit nicht einmal 40 Jahren drohte Manfred Schaich eine Arthrose. Millionen Bundesbürger leiden unter dieser schmerzhaften Form der Gelenkabnutzung. Oft sind Arthrosen die späte Folge von Gelenkschäden, die angeboren sind beziehungsweise durch Fehlhaltung oder Wachstumsstörungen in der frühen Kindheit entstanden. Manchmal aber treten sie auch als Langzeitschäden nach Gelenkverletzungen auf. Nachdem eine Spritzenbehandlung mit einem knorpelaufbauenden Präparat bei Manfred Schaich keine Hilfe brachte, schlug man ihm eine künstlich Gelenkprothese vor. „Eine Maßnahme, für die ich mich jedoch noch viel zu jung fühlte“, wie der Architekt sagt. Doch dann sah er im Fernsehen einen Bericht über eine Knorpeltransplantation. „Gleich am nächsten Tag“, sagt Ehefrau Christiane, „nahmen wir Kontakt zu jenem Arzt auf. Eine Voruntersuchung ergab, dass mein Mann für eine solche Operation in Frage kam.“ Möglich macht die Knorpeltransplantation ein von Wissenschaftlern der Gesellschaft für molekulare Medizin und Biotechnologie in Teltow bei Potsdam entwickeltes Verfahren. Im Reagenzglas wird dort aus körpereigenen gesunden Knorpelzellen des betreffenden Patienten neuer Knorpel gezüchtet. Manfred Schaichs Arzt, der Stuttgarter Orthopäde Dr. Jürgen Beyer (39), bestellte drei Millionen neue Knorpelzellen für seinen Patienten in Teltow. Ungefähr drei Wochen dauerte es, bis sich aus dem eingeschickten Knorpelstück die neuen Zellen entwickelt hatten. Dann nahm Dr. Beyer die Operation vor. Dazu öffnete der Mediziner Manfred Schaichs rechtes Knie, nähte aus Knochenhaut eine Art Zeltdach über den abgenutzten Gelenkbereich und injizierte das Knorpelzellensekret, das wie trübes Hefeweizen-Bier aussieht, in den so entstandenen Hohlraum. Dieser wurde anschließend mit Fibrinkleber abgedichtet. Dauer des ambulanten Eingriffs: knapp zwei Stunden. Die Kosten, die in der Regel von der Krankenkasse übernommen werden, betragen etwa 11 000 Mark. „Acht Wochen durfte ich das Bein nicht belasten, musste es aber viel bewegen“, sagt Manfred
Schaich. „Eine Mühe, die sich aber gelohnt hat. Seither ist der Schmerz immer weniger geworden. Ich gehe inzwischen wieder ohne Krücken und kann richtig auftreten.“ Und das so gut, dass Familie Schaich sogar wieder einen Urlaub in den Bergen plant. „Dann bringen ich meinem kleinen Maximilian das Skilaufen bei“, freut sich der stolze Vater schon heute.
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