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PressespiegelStuttgarter Nachrichten, 12.12.2000: Jungbrunnen für Knorpelzellen Ein neues Verfahren lässt den eigenen Knorpel im kranken Gelenk wieder wachsen.Jugend schützt vor Knorpelschäden nicht. Ein falscher Tritt beim Fußball oder ein ungeschickter Schwung beim Skifahren kann auch junge Sportlerkarrieren jäh beenden. Einseitige Belastungen oder Überlastungen schädigen Gelenkknorpel, meist im Knie- oder Sprunggelenk. Da Knorpel nicht nachwächst, blieb bisher nur das Aushalten der Schmerzen, das Dulden der Schwellung und das Hinnehmen von Bewegungseinschränkungen. Ein neues Verfahren namens "Autologe Knorpelzelltransplantation" einer jungen Firma in Teltow, namens co. don, verspricht Abhilfe. In den letzten vier Jahren profitierten davon schon etwa 160 Patienten. Das Besondere ist, dass die eigenen Knorpelzellen des Patienten dank eines Kniffs der Forscher wieder regenerationsfähig werden und dass keinerlei körperfremde Substanzen verwendet werden, die zu unerwünschten Nebenwirkungen führen können.
Erfolg versprechende Methode – Schallgrenze bei 65 Jahren
Wer sich für die Prozedur zur Verjüngung seines Knorpels entscheidet, braucht ein wenig Geduld und muss auch Eingriffe in das schadhafte Gelenk zulassen: Zunächst entnehmen speziell geschulte Ärzte den Patienten aus wenig belasteten Bereichen des Knorpels gesundes Knorpelgewebe. Im zertifizierten Labor der Firma züchten die Mitarbeiter dann gemäß den Richtlinien des Arzneimittelrechtes die Knorpelzellen. Verwendet wird für die Aufzucht der körpereigenen Zellen das Serum des jeweiligen Patienten. Nach zwei bis drei Wochen sind die Zellen herangewachsen, sind definitionsgemäß ein Arzneimittel und bereit zur Transplantation in das kranke Gelenk. Bei einer Operation wird schadhafter Knorpel entfernt und die gezüchteten Knorpelzellen ersetzt. In der neuen Umgebung bilden sie Knorpelgewebe, das dem gesunden gleicht. Zehn Tage später kann der Patient die Klinik verlassen, nach etwa drei Monaten ist das Gelenk wieder voll belastbar, und nach einem Jahr hat der Knorpel seine volle Festigkeit erreicht. Nur eine fünf bis zehn Zentimeter lange Narbe erinnert dann noch an den ursprünglichen Defekt. Die bisherigen Erfahrungen sind nach Angaben der Firma und der beteiligten Ärzte ausgesprochen gut. Mehr als 90 Prozent der Patienten wurden geheilt. Besonders gern wird berichtet, dass die Behandelten an der direkten Erfolgskontrolle mittels Endoskopie kein Interesse haben, weil es ihnen so gut geht, dass sie sebst diesen kleinen Eingriff als unnötig und störend empfinden. Ein Fußballer spielt heute sogar wieder aktiv im Verein. In Stuttgart wird die Methode in der erst zwei Jahre alten Apollo-Klinik angewandt. Einer der Inhaber und leitender Arzt, der Orthopäde Jürgen Beyer, hat in dieser Zeit 24 Patienten mit diesem Verfahren behandelt. Trotz aller Erfolge greift die Methode jedoch nicht bei allen Patienten. „Ich kann sie nicht anwenden bei großflächigen Verschleißerkrankungen des Knorpelgewebes und bei Patienten mit degenerativen und entzündlichen Grunderkrankungen“, sagt Beyer. Auch der natürliche Alterungsprozess darf noch nicht allzu weit vorangeschritten sein. Spätestens bei 65 Jahren sehen die Ärzte die Schallgrenze für die Transplantation. Auch nicht jedes Gelenk ist geeignet. „Das Verfahren eignet sich für die Knie-, Großzehengrund- und Sprunggelenke und für die Bandscheibe“, so Beyer. Die große Mehrheit der Patienten mit arthrotischen Veränderungen in Knie-, Hüftgelenk oder der Wirbelsäule kann nach Angaben der Firma co.don trotzdem hoffen: Dem Unternehmen ist es erstmals gelungen, nach der gleichen Methode ganze Knorpelstückchen und nicht nur einzelne Zellen im Labor zu züchten. Diese wären dann auch für die rund 20 Millionen Betroffenen mit degenerativen und entzündlichen Verschleißerscheinungen geeignet. Bleibt zu hoffen, dass sich der Schmerz in Grenzen hält, bis die Methode so ausgereift ist, dass sie eines Tages am Patienten ihre Anwendung finden kann.
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